Wirtschaftswissenschaften Verhaltensökonomik – Nudging
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15 KartenWas versteht man unter einem Nudge nach Thaler und Sunstein?
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Ein Nudge verändert die Wahlarchitektur so, dass Verhalten vorhersehbar beeinflusst wird, ohne Optionen zu verbieten oder ökonomische Anreize nennenswert zu ändern.
Wer sind die Begründer des Nudging-Konzepts und welches Werk erschien 2008?
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Richard Thaler und Cass Sunstein veröffentlichten 2008 das Buch 'Nudge: Improving Decisions About Health, Wealth, and Happiness'.
Was bezeichnet der Begriff 'Wahlarchitektur' im Kontext von Nudging?
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Wahlarchitektur beschreibt die Gestaltung der Entscheidungsumgebung, die beeinflusst, wie Optionen präsentiert und wahrgenommen werden – jeder Designer ist Wahlarchitekt.
Wie wirken Standardoptionen (Defaults) als Nudge?
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Defaults nutzen Trägheit und Verlustaversion: Die voreingestellte Option wird häufig beibehalten, weil aktives Abwählen Aufwand erfordert und als Verlust wahrgenommen wird.
Was ist der Unterschied zwischen Framing und klassischer Information?
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Framing präsentiert objektiv äquivalente Informationen unterschiedlich (z. B. '90 % Überlebensrate' vs. '10 % Sterberate'), was systematisch die Wahl verändert.
Welche Rolle spielt die Ankerheuristik bei Nudges?
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Ein gesetzter Anker (z. B. vorgeschlagener Spendenbetrag) verschiebt nachfolgende Urteile in dessen Richtung, auch wenn der Anker willkürlich oder irrelevant ist.
Wie nutzt Verlustaversion Nudging für Verhaltensänderung?
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Verluste werden psychologisch etwa doppelt so schwer gewichtet wie Gewinne – Nudges rahmen Nicht-Teilnahme als Verlust (z. B. 'Sie verlieren 200 € Rabatt').
Was bewirken soziale Normen als Nudge-Mechanismus?
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Informationen über das Verhalten der Mehrheit ('9 von 10 zahlen pünktlich') nutzen Konformitätsdruck und beschreibende Normen zur Verhaltenssteuerung.
Was bedeutet 'Salience' (Hervorhebung) in der Wahlarchitektur?
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Salience macht bestimmte Optionen oder Attribute durch Platzierung, Farbe oder Größe wahrnehmungsstärker, sodass sie eher beachtet und gewählt werden.
Wie funktionieren Commitment-Devices als Nudge?
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Freiwillige Selbstbindung (z. B. Sparziel mit Strafzahlung bei Verfehlung) nutzt Gegenwartsbias: Man bindet das zukünftige Ich an heutige Präferenzen.
Nenne die drei ethischen Kriterien für legitimes Nudging nach Thaler/Sunstein.
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Transparenz (Nudge nicht täuschen), Wohlfahrt (Ziel dient dem Genudgten), Wahlfreiheit (Opt-out einfach möglich) – zusammen 'Libertarian Paternalism'.
Was unterscheidet einen Nudge von einem 'Sludge'?
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Sludges sind Wahlarchitekturen, die im Eigeninteresse des Designers handeln, Reibung erzeugen und Wohlfahrt mindern (z. B. komplizierte Kündigungsprozesse).
Welche Kritik üben Gegner am libertären Paternalismus?
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Kritiker sehen Manipulationsgefahr, Unterschätzung der Bürgerkompetenz, demokratische Legitimationsdefizite und rutschende Übergänge zu harten Paternalismus.
Nenne ein klassisches Anwendungsbeispiel für Nudging in der Altersvorsorge.
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Automatische Enrollment in betriebliche Rentenpläne mit Opt-out-Möglichkeit erhöht die Teilnahmequote drastisch (z. B. von 40 % auf über 90 %).
Wie unterscheidet sich Nudging von klassischen finanziellen Anreizen?
Rückseite
Nudges ändern nicht die relativen Preise oder Budgets, sondern die Entscheidungsarchitektur – sie wirken über Psychologie, nicht über relative Preiselastizitäten.