Medizin Neurologie Psychiatrie – Sucht und Abhängigkeit
Karteikarten zum Thema „Medizin“ · 15 Karten · von atrio. Beispiele: Welche Kriterien definieren das Abhängigkeitssyndrom nach ICD-10? · Wodurch unterscheide…
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15 KartenWelche Kriterien definieren das Abhängigkeitssyndrom nach ICD-10?
Rückseite
Mindestens drei Kriterien innerhalb von 12 Monaten: starkes Verlangen, Kontrollverlust, Entzugssymptome, Toleranzentwicklung, Vernachlässigung anderer Interessen, Fortsetzen trotz Schaden.
Wodurch unterscheidet sich schädlicher Gebrauch vom Abhängigkeitssyndrom?
Rückseite
Schädlicher Gebrauch zeigt physische/psychische Schäden durch Substanzkonsum ohne Erfüllung der Abhängigkeitskriterien – kein Kontrollverlust, keine Toleranz, keine Entzugssymptome.
Welches Neurotransmittersystem vermittelt die primäre Verstärkung im mesolimbischen Belohnungssystem?
Rückseite
Dopaminerge Projektionen vom ventralen Tegmentum (VTA) in den Nucleus accumbens vermitteln die positive Verstärkung bei allen Suchtmitteln.
Was charakterisiert das Alkoholentzugssyndrom und wann tritt der Delir-Tremens-Peak auf?
Rückseite
Symptome: Tremor, Agitiertheit, Tachykardie, Hypertonie, Halluzinationen. Delir tremens tritt typischerweise 48–72 Stunden nach letzter Trinkmenge auf, Mortalität unbehandelt bis 15 %.
Welches Medikament ist First-Line bei der alkoholischen Entzugsbehandlung?
Rückseite
Benzodiazepine (z. B. Diazepam, Clomethiazol) – GABAerg wirksam, senken Krampfschwelle und Delir-Risiko; Dosis nach Symptomschwere (CIWA-Ar-Skala) titrieren.
Welche Trias kennzeichnet das Opioidentzugssyndrom?
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Vegetative Hyperaktivität (Schwitzen, Diarrhö, Mydriasis), affektive Symptome (Dysphorie, Angst), somatische Schmerzen (Myalgien, Arthralgien) – Beginn 6–12 h nach Kurzzeitopioiden.
Welche Substitutionstherapien stehen bei Opioidabhängigkeit zur Verfügung?
Rückseite
Methadon (Vollagonist), Buprenorphin (Teilagonist, Ceiling-Effekt bei Atemdepression), Slow-Release-Morphin – alle mit psychosozialer Begleitung, Ziel: Stabilisierung und Schadensminimierung.
Was ist das spezifische Risiko bei abruptem Benzodiazepin-Absetzen nach Langzeittherapie?
Rückseite
Lebensgefährliche generalisierte tonisch-klonische Krampfanfälle und Delir – daher obligat ausschleichend über Wochen bis Monate (z. B. Diazepam-Äquivalenz, 10 % Dosisreduktion pro Woche).
Welche Entzugssymptome sind typisch für Cannabis und wie lange dauern sie?
Rückseite
Reizbarkeit, Schlafstörungen, Appetitverlust, Unruhe, leichte depressive Verstimmung – Peak Tag 2–6, Dauer bis 2–3 Wochen, keine medizinische Notfallindikation.
Was besagt die Kindling-Hypothese bei wiederholten Entzügen?
Rückseite
Jeder Entzug senkt die Krampfschwelle und verstärkt neuroadaptive Veränderungen – spätere Entzüge verlaufen schwerer, schneller und mit höherem Komplikationsrisiko.
Welches Screening-Instrument eignet sich für riskanten Alkoholkonsum in der hausärztlichen Praxis?
Rückseite
AUDIT-C (3 Items, Sensitivität ~90 % für riskanten Konsum) – kürzer als volles AUDIT, validiert für Prävention und Früherkennung.
Was versteht man unter Craving und welche pharmakologische Option reduziert es bei Alkoholabhängigkeit?
Rückseite
Craving: starkes, oft situationsgebundenes Verlangen nach Substanz. Naltrexon (Opioidantagonist) reduziert Craving und Rückfallrate durch Blockade endogener Opioide im Belohnungssystem.
Welche Komorbidität liegt bei über 50 % der Suchtpatienten vor?
Rückseite
Affektive Störungen (Depression, Bipolare Störung) und Angststörungen – bidirektionaler Zusammenhang: Substanz als Selbstmedikation und substanzinduzierte Symptome.
Was ist das Ziel der motivierenden Gesprächsführung (Motivational Interviewing) in der Suchttherapie?
Rückseite
Ambivalenz auflösen, Change-Talk stärken, Eigenmotivation für Verhaltensänderung fördern – nicht konfrontativ, sondern empathisch, partnerschaftlich, evokativ.
Wann ist eine qualifizierte Entzugsbehandlung stationär indiziert?
Rückseite
Bei schweren Entzugssyndromen (Delir, Krampfanfälle), polytopem Missbrauch, schweren Komorbiditäten (körperlich/psychisch), fehlender sozialer Stabilität oder gescheiterten ambulanten Versuchen.